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Jesus Christus spricht:
2. Korinther 12,9
Liebe Gemeinde,
wussten Sie, dass eine „Himmelfahrt“ in der Zeit Jesu gar nichts so Ungewöhnliches war? So wie die Jungfrauengeburt auch?
Das gehörte damals zum „Programm“: dem Leben besonderer Menschen wurde so ein Siegel des Außergewöhnlichen aufgedrückt: Kaiser, die als Halbgötter galten; Titanen, die sich irgendwie vom natürlichen Menschsein abhoben, und denen man eine übernatürliche Geburt testiert hat. Und mitunter hatten sie dann auch eine Himmelfahrt: eine Entrückung aus den Niederungen des Alltags, auf direktem Weg in den göttlichen Status: mit Glanz und Gloria, Pauken und Trompeten, Blitz und Donner.
War die Himmelfahrt Jesu demnach gar nichts Besonderes?
Müssen wir mit dem, was Lukas berichtet, daher skeptisch umgehen?
Nicht, wenn wir auf den himmelweiten Unterschied achten, den Jesus von den „Titanen“ trennt. Denn im Gegensatz zu den Überfliegern und Halbgöttern war Jesus kein Held. Sein Mut und seine Größe zeigten sich auf ganz anderer Ebene. Vordergründig war Jesus nämlich ein Verlierer, und man scheute nicht, ihn deutlich vorzuführen: „Wenn du wirklich Gottes Sohn bist, dann steig doch herab vom Kreuz! Dann wollen wir dir glauben!“
Da wäre vielen schon sehr recht gewesen, wenn Jesus ganz schnell in der Versenkung für peinliche Gestalten verschwunden wäre. Lukas aber macht deutlich: gerade er, der nach unseren Maßstäben kläglich gescheitert ist, hat seinen Platz „ganz oben“.
Zum Himmel fährt nicht unser menschliches Gedöns und Kraftgehabe, nicht unsere Leistung und Hochrangigkeit, sondern unsere Bedürftigkeit, unser Schmerz; das, was uns zu Menschen macht. Unser Elend ist es, was bei Gott seinen Platz hat, unsere wahre Wirklichkeit hinter all dem schönen, glitzernden Schein.
Das Bild vom „leeren Kreuz“ zeigt für mich keine Leere, sondern einen offenen Raum. Es ist so etwas wie eine Tür, durch die ich treten kann, die mir deutlich macht: auch wenn ich ganz klein bin, wenn ich mich eher als Versager denn als Überflieger fühle: bei Gott darf ich sein. Das, was ganz unten war, wird er zu sich ziehen und an seiner Seite bergen.
So gesehen muss die Himmelfahrt Jesu ist kein gefühltes Vakuum bleiben, sondern sie will ein Fest sein, das Mut machen will, in den Niederungen des Alltags den offenen Himmel schon zu spüren.
Ihre
Birgit Reyher